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23.06.2015, 07:28 Uhr
Mit statt über Flüchtlinge reden
Die aktuelle Flüchtlingsdebatte nahm der JU-Stadtverband Heidenheim zu Anlass eines Besuchs des Asylbewerberheims in der Walther-Wolf-Straße.

„Wir sind der Meinung, dass zur Zeit zwar sehr viel über die steigende Zahl an Flüchtlingen gesprochen wird, aber zu wenig mit den Betroffenen“, so der Stadtverbandsvorsitzende Felix Winter. So tauschten sich die JUler zunächst mit einigen Mitarbeitern des Landratsamtes, darunter auch der Leiterin des Fachbereichs Soziale Sicherung und Integration, Silvia Sauter, über die allgemeine Situation der Asylbewerber im Landkreis aus. Anschließend kamen sie auch mit einigen der Asylbewerber ins Gespräch. Beeindruckt zeigten sich die JUler von den Anstrengungen vieler der Asylbewerber, sich gut zu integrieren, indem sie etwa gemeinnützige Dienste leisteten. Zwar werden, wie Sauter bestätigte, auch Leistungen missbräuchlich beantragt. Es sei jedoch offenkundig, dass die ganz überwiegende Mehrheit von ihnen nicht vorhabe, das deutsche Sozialsystem auszunutzen, sondern sich einbringen wolle. Auch von den Anstrengungen seitens des Landratsamtes zeigten sich die JUler sehr überzeugt. „Was die Mitarbeiter des Landratsamts leisten, ist aller Ehren wert. Der manchmal vermittelte Eindruck, die Asylbewerber würden stiefmütterlich behandelt, stimmt sicherlich nicht.“

Enttäuschung machte sich bei den Anwesenden jedoch über die Politik breit.

So würde dem Landratsamt die Arbeit nicht gerade erleichtert, wenn es erst drei Tage vor der Überführung von Asylbewerbern aus einer der Landeserstaufnahmestellen erfahre, mit wem man es überhaupt zu tun bekomme.

„Auch insgesamt müssen die Asylverfahren verbessert werden“, so der stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende Marcel Boch. Als bedrückend empfanden die JUler etwa das Schicksal eines togolesischen Asylbewerbers, dem trotz mittlerweile erworbener guter Deutschkenntnisse und einer Zusage für einen Ausbildungsplatzes nun wieder die Abschiebung drohen könnte.

Auch sei eine bessere Finanzierung gefragt. „Es darf nicht sein, dass Asylbewerber, die Deutsch lernen wollen, sich die Kosten für die Kurse von den ihn zukommenden staatlichen Hilfen absparen müssen. Hier muss die Landesregierung Abhilfe schaffen“, so Boch. Denn so kommt beispielsweise der Landkreis Heidenheim alleine für die Kosten eines Grundsprachkurses Deutsch (100 Unterrichtsstunden) auf.