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12.11.2013, 21:38 Uhr | Alex Krieger
„Reine Abzocke“
JU wendet sich gegen Gebühren für Hochschulbewerbungen
Die von der grün-roten Landesregierung geplanten Mehrbelastungen für angehende Studenten stoßen bei der Jungen Union auf heftige Kritik. Im Entwurf der Landesregierung für die Novelle des Hochschulgesetzes ist vorgesehen, Studienplatzbewerbern etwaige Auswahlgespräche, wie sie heute in den meisten Studiengängen vorgesehen sind, mit bis zu 100 € zu berechnen. Da sich viele Studienbewerber mittlerweile an mehreren  Hochschulen bewerben, könne das zu einer erklecklichen Summe führen, so die Junge Union.
In ihren Augen kämen die geplanten Gebühren einer Wiedereinführung der Studiengebühren durch die Hintertür gleich. „Wenn Grün-Rot an der derzeitigen Fassung festhält, wäre das ein ziemlich dreister  Wortbruch“, so der Kreisvorsitzende Michael Lehmann. Schließlich hätten gerade viele junge Wähler sich bei der Landtagswahl 2011 hauptsächlich wegen des Versprechens, die Studiengebühren abzuschaffen, Grüne oder SPD gewählt. Von den nun geplanten Gebühren sei damals jedoch keine Rede gewesen.

 

Der von SPD und Grünen ansonsten forcierten sozialen Gerechtigkeit sei damit ein Bärendienst erwiesen. „Gerade Studienbewerber mit kleinerem Geldbeutel überlegen sich dann sehr genau, wo sie sich überall bewerben sollen, und haben somit geringere Chancen auf einen für sie attraktiven Studienplatz“, so Jonas Schulz, der bei der JU für Hochschulpolitik zuständig ist. Schließlich seien die Bewerbungen oft auch mit ausgeklügelten taktischen Erwägungen verbunden.  Auch fielen die Kosten ausschließlich auf die Bewerber zurück, da eine etwaige staatliche Förderung oder Stipendien vor Beginn des Studiums ja noch nicht griffen. Weiterhin liefen die Gebühren dem Interesse  der baden-württembergischen Universitäten entgegen, die qualifiziertesten Bewerbern zu finden und damit ihren bundesweiten Spitzenplatz zu halten. „Nicht ortsgebundene Abiturienten oder ausländische Interessenten könnten sich nun zweimal überlegen, ob sich sich in Baden-Württemberg bewerben oder nicht“, so Schulz weiter. Für in Grenznähe lebende Studienbewerber würden hingegen die benachbarten Bundesländer attraktiver.

Deutliche Zweifel meldet die Junge Union auch an der Motivationslage der Landesregierung an. So seien die früher erhobenen Studiengebühren wenigstens den Hochschulen und damit in Form von besserer Lehre auch den Studenten zugutegekommen. „Dagegen geht es dieses Mal offenkundig nur um das Stopfen von Haushaltslöchern“, kritisiert die stellvertretende Kreisvorsitzende Hannah Ulrich. „Die Landesregierung sollte sich das Geld, das sie an anderer Stelle mit vollen Händen zum Fenster hinauswirft, aber nicht bei Studienplatzbewerbern wieder holen, die dafür nicht einmal eine Gegenleistung erwarten können“, so Ulrich.